Das etwas andere Model

25 Jahre alt, durchtrainiert, gutaussehend, blond: Der Hamburger Mario Galla ist der Prototyp eines männlichen Supermodels – wäre da nicht sein rechter Unterschenkel, der ist nämlich nicht aus Fleisch und Blut, sondern aus knallhartem Carbon. Für Mario Galla allerdings kein Hindernis, nicht doch Model zu werden.

Irgendwann in seiner Kindheit hörte Marios Bein auf zu wachsen. Es blieb verkürzt, was mit einer Orthese kompensiert wurde. Sie gehört für das junge Model zum Leben und stört ihn kaum. Auch der Modelscout, der den damals 21-jährigen Mario an einer Frittenbude entdeckte, sowie seine Auftraggeber sahen kein Problem in seiner Behinderung. Der Blondschopf arbeitete sich neben seinem Studium der Medien und Information langsam aber stetig nach oben und machte sich einen Namen, sowohl auf den Runways von Paris, Mailand und London, als auch vor der Kamera. Einen deutlichen Schub für die Modelkarriere gabe es dann im Jahr 2010, als er auf der Fashion Week in Berlin für Designer Michael Michalsky lief – in kurzen Hosen. Was anfangs überhaupt nicht geplant und auch keinesfalls als PR-Gag gedacht war, schlug ein wie eine Bombe. Die Zuschauer sahen direkt auf Marios Orthese und konnte kaum fassen, was sie sahen: Ein Topmodel mit Behinderung. Die positiven Reaktionen kamen aber nicht nur aus der Öffentlichkeit, die endlich zu verstehen vermochte, dass makellose Schönheit eben nicht alles im Modelbusiness ist, sondern auch von den Medien. Talkshows und Printmedien wurden auf Galla aufmerksam und luden ihn zu Interviews, sogar eine Dokumentation über ihn wurde gedreht. Jetzt hat Galla sogar ein Buch über sein Leben „Mit einem Bein im Modelbusiness“ geschrieben, mit dem er anderen Menschen Mut machen will. Das Vorwort stammt, wie könnte es anders sein, vom deutschen Stardesigner Michalsky.